Anekdote aus Saras Leben in Italien
Sara hat 14 Jahre in Bremen gelebt und ist im letzten Sommer wieder in ihre Heimatstadt Livorno zurück gegangen. Natürlich sieht sie daher den italienischen Alltag mit anderen Augen als ihre Landsleute.
Hier eins ihrer ganz “normalen” Erlebnisse aus dem täglichen Leben:
Ich wollte mal wieder ein Bluttest machen lassen. Einfach so, zur Kontrolle. In Deutschland geht man zum Hausarzt und sagt? Guten Morgen, Herr Hausarzt, ich möchte gerne einen Bluttest machen lassen. Der Hausarzt sagt? Aber gerne, liebe Frau Gasparri. Er steht auf, öffnet seinen Schränkchen, nimmt alles was er braucht dazu und entnimmt mein Blut dort, in zwei Minuten. Dann schickt er alles zum Labor und nach einigen Tagen hat man das Ergebnis.
Langweilig! Es fehlt Fantasie, Kommunikation, Sozialisierung. Da haben wir uns in Italien etwas Nettes gedacht:
Man gehe zum Hausarzt. Termine werden nicht vergeben. Man gehe sehr früh, man schreibe sich in eine Liste ein und man warte eine oder zwei Stunden, um mit dem Arzt sprechen zu können. Wenn es regnet gibt es mehr zu warten. Alte Leute gehen gerne zum Arzt, der ist ja sooo nett! Zu Hause ist langweilig. Deswegen sind sie schon eine Stunde vorher da, bevor die Praxis aufmacht. Die Möglichkeit, unter den Ersten in der Liste zu sein erhöht sich, je dunkler noch der Morgengrau ist.
Der Arzt ist sehr nett und schreibt eine Überweisung, weil er ja selber die Blutentnahme nicht machen kann. Wäre banal.
Man gehe dann um 7,30 Uhr in einer USL (Unità Sanitaria Locale), etwas zwischen die AOK und ein Arzthaus. Da gibt es seit einer Stunde die oben
genannte alte Leute, dieselben, die nach dem Hausarztbesuch mal etwas Anderes machen wollten, und warum denn nicht Blut untersuchen lassen?
Schadet ja nicht.
Man nehme eine Nummer: Um 7,40 Uhr war ich Nummer 72. Habe ich im Schlaf gesehen, meine ich.
Oh, aber ich bin ganz schlau: ich habe ein Buch mit! Man sitze mit 70 anderen Leuten in einem Raum. Man höre wie sie am Handy mit der Mutter das Mittagessen planen, wie sich beim Zeitungslesen über Berlusconi und die Farabutti (so nennt er uns alle, Gauner?) lästert und die eigene ganze Klinikakte rezitiert.
Man warte eine Stunde und 15 Minuten. Man ginge rein, um ? EINE ZWEITE
NUMMER ZU BEKOMMEN! Glaube ich ja nicht! Ich habe Schlange gestanden, um in einer anderen Schlange zu stehen! Na gut. Aber die zweite Nummer muss man sich ja verdienen: man bekommt einen Zettel. Man ginge zur Kasse in anderem Raum, bezahle 31,50? (ich) ? kein Bancomat ? und man kehre wieder zur Frau, um die zweite Nummer zu bekommen. Nummer 45.
Man ginge im Flur und man warte, bis man gerufen wird. Die gerade Zahlen links, die ungerade rechts. Ich sehe wie Nummer 42 und 44 und 46 reingehen. Aber ich bin ja ungerade, ich muss warten.
Man gehe rein und ENDLICH ? wenn die Hoffnung fast gestorben ist ? gibt es eine wirklich sehr nette Dame, die Blut entnimmt: was für eine Befreiung! Ich habe es geschafft!!
Die Ergebnisse, die muss man aber nach 3 Tagen um 11,30 Uhr holen. Was?
Wer arbeitet, wie soll er es machen? Vollmacht ist die Lösung, dafür haben wir ja genug Eltern, Kinder, Nachbarn, Kollege?
Denkt daran, das nächstes Mal, bei der Blutentnahme bei eurem Hausarzt:
in Italien hättet ihr viiiiiel mehr Spaß!
Sara hatte in Bremen eine Sprachschule für Italienisch.
Nun hat sie diese auch nach Livorno ausgeweitet und bietet vor Ort ihre italienisch Sprachkurse an.
La Scuola di Sara
Corsi di italiano – Italienischkurse – Italian Lessons
Visite ad aziende vitivinicole – Besuche auf Weingütern
Sara Gasparri
Livorno
Festnetz 0039 0586 1865143
Mobil – Cellulare: 0039 333 6008104
sara@scuola-sara.de

November 5th, 2009 at 11.5
Ehrlich gesagt, kann ich so nicht bestaetigen.
Ich gebe zu, dass es nicht immer so schmerzlos geht wie in Deutschland. Mein Erfahrung ist sowohl auf dem Dorf als auch in der Stadt beim Arzttermin meistens keine 20min warten zu muessen. Das liegt aber auch z.T. an der Rigorositaet der Aerzte; wenn die Aerzte eben die ohne Termin und bis zum bitteren Ende warten lassen. Dann geht der Pensionaer beim naechsten Mal eher zu seiner Bank um dort mit dem Kassenbeamten ein Schwaetzchen zu halten. Uebrigens sterben hier auch weniger Pensionaere vereinsamt in ihrer Wohnung was man dann erst am Geruch der aus der Wohnung stroemt merkt.
Auch in den verschiedenen Laboratori hatte ich noch nie das Pech der Autorin oben. 20 min und es war vorueber (und welch Wunder, ich konnte die Ergebnisse sogar online abrufen)
Es gibt auch genug Negativbeispiele aus Deutschland, wo ich nur daran denken muss wie kleinkariert mancher dort im Gesundheitssystem handelt. Dinge, die hier wesentlich flexibler gehandelt werden.
Es ist wie immer: die goldene Mitte waere das Ideal. Ich rate der Autorin nach ihrer Rueckkehr auch mal den umgekehrten Vergleich zu machen, nicht das nur was besser war in Deutschland, sondern auch was schlechter war und besser hier geht. Es gibt genug Dinge dort “oben” da kann ich nur die Haare drueber raufen …
Was auffaellt ist, dass meistens organisatorische Beispiele genannt werden in dem Deutschland “besser” ist. Da macht man es sich zu einfach. Die Rosinen rauspicken gilt nicht …
Das koennte jetzt noch so unendlich weitergehen, wie gesagt Vorteile und Nachteile sind auf beiden Seiten vorhanden, sonst wuerden auch nicht so viele zurueckkommen ins Bel Paese, Heimweh alleine ist es nicht.
November 10th, 2009 at 15.10
ich muss sagen, hier in Rom ergeht es mir genauso wie Sara und wenn ich mich notgedrungen in die Zwickmühle Gesundheitssystem begeben muss, kriege ich regelmäßig eine Krise. Das ganze mit Humor zu betrachten ist nicht ganz einfach, besonders, wenn es sich nicht um Routine- sondern um notwendige Untersuchungen handelt.
Natürlich gibt es dann auch die wundervollen Seiten dieses Landes, sonst wären wohl weder ich noch Sara hier. Natürlich ist aber unser Blick ein anderer, weil wir es anders kennengelernt haben und Vegleiche anzustellen kommt dann von allein.
November 12th, 2009 at 14.12
erbschafts- und bankangelegenheiten stehen bei mir ganz “oben” auf der liste toller erlebnisse in italien…
November 15th, 2009 at 21.15
Oh, Matidio, es gibt tatsächlich viele schöne Seiten in Italien, die besser als in Deutschland sind. Eine davon ist die Fähigkeit sich nicht so ernst zu nehmen und über sich selbst liebevoll zu lächeln…
cari saluti!
Januar 29th, 2010 at 22.29
Hey Leute!
vor allem spreche ich noch nicht so gut italienisch…Habt ihr Tipps fuer mich und wohnt einer von euch eventuell in Rom?
Ich hab gerade diese Seite entdeckt und wuerde gerne mit euch irgendwie in Kontakt kommen! Ich lebe jetzt seit ca 3 Monaten in Rom oder besser gesagt in Guidonia und es ist so schwer hier Leute kennenzulernen…
Liebe Gruesse, Georgia