Bus 116 - Reise durch die Altstadt von Rom
In Rom gibt es verschiedene Linien von kleinen Elektrobussen, die hauptsächlich die Altstadt versorgen. So kommt man mit dem 116er von der Villa Borghese auf der einen Seite nach Trastevere und dem Gianicolo auf der anderen Seite der Altstadt. Der 119er verbindet Piazza del Popolo mit der Piazza Venezia. Ab Endstation San Giovanni in Laterano fährt der 117er über Kolosseum und Spanische Treppe bis zur Piazza del Popolo und von dort wieder zurück über Piazza Venezia und Forum Romanum.

Ich finde diese Busse extrem nett und wann immer möglich versuche ich auf sie zurückzugreifen.
Neulich hatte ich einen Termin direkt in der Altstadt und nach Auskunft vom Atac, den öffentlichen Verkehrsbetrieben Roms, lag eine Haltestelle des 116ers in direkter Nähe. Prima, dachte ich, nahm die Metro bis Barberini und stellte mich dann an die Haltestelle des Busses.
Ich will mich jetzt nicht auf die Minuten festlegen, aber es dauerte schon eine ganze Weile bis endlich ein Kleinbus vor mir hält, der zwar mit 116 ausgeschildert war, aber dem “normalen” kleinen E-Bus überhaupt nicht ähnlich sieht … eher so etwas wie einem Lieferwagen.
Der Fahrer winkt und macht Zeichen, ich öffne die Beifahrertür: “Noch zwei Plätze frei” sagt er vollkommen selbstverständlich auf mein fragendes Gesicht und zeigt auf die freien Plätze neben sich auf der Vordersitzbank. Also steige ich hinauf und machte die Tür zu. Im hinteren Teil gibt es hintereinander drei Sitzplätze, die besetzt sind. “Schnallen Sie sich bitte an” bittet mich höflich der Fahrer. Na klar, wenn man auf der Vorderbank eines Transporters durch die Altstadt von Rom gefahren wird, schnallt man sich natürlich auch an.
An der nächsten Haltestelle steht eine alte Dame. Der Bus hält an, die Dame blickt fragend zum Fahrer. Ich öffne die Beifahrertür: “Signora, es ist noch ein Paltz frei”. Aber die Signora schafft die Stufen nicht hoch und gibt es schließlich auf. Sie wartet auf den nächsten Bus.
Noch eine Haltestelle weiter wartet wieder eine nicht mehr ganz junge Signora. Freundlich öffne ich die Tür und wiederhole mein Sprüchlein: “es ist noch ein Platz frei”. “Wo denn bitte?”, fragt die erstaunte Signora und ich antworte: “hier neben mir” und rücke auf den mittleren Platz. Diesmal klappt es und nun ist auch die Vorderbank voll. “Sie müsssen sich auch anschnallen” sage ich der Signora und blicke dann fragend zum Fahrer: “qui al centro non c’è cintura, vero?” Nein, für den in der Mitte sitzenden Passagier gibt es keinen Gurt.
Hinten möchte jemand ausssteigen. Er gibt dem Fahrer Bescheid und an der Haltestelle angekommen, öffnet der Herr im Anzug sich wie selbstverständlich die Schiebetür im hinteren Teil des Busses, steigt aus und schließt sie auch wieder.
Irgendwo in der Nähe des Pantheon hält der Bus an einer Mini-Altstadtgassen-Kreuzung und der Fahrer flucht: die Gasse, in die er hätte fahren müssen, ist gesperrt. Hat ihm wohl niemand gesagt. Zum Glück weiss ein Passagier, wie man die gesperrte Straße umfahren kann, ohne sich im Gewirr der Einbahnstaßen zu verlieren. Da haben wir ja Glück gehabt!
Als ich endlich an “meiner” Haltesstelle ankomme, möchte ich am liebsten laut loslachen. Nicht über den Bus, der nicht der war, der er hätte sein sollen, die gesperrte Straße, von der keiner wusste, sondern über die Selbstverständlichkeit und Gelassenheit mit der hier Dinge hingenommen werden. Incredibile!!
“Buona giornata” rufe ich dem Fahrer zu, während ich die Tür zuschmeiße und schnell meinen Fotoapparat zücke ….

Juni 22nd, 2009 at 17.22
spezial-transport!

an den kleinen bussen (navette?) gefiel mir die innenausstattung sehr gut:
besonders der gartenstuhl fuer den fahrer (wow, es ist fast genau 4 jahre her, das dieses foto gemacht wurde).
Juni 22nd, 2009 at 23.22
was für eine nette geschichte…. da weißt du dann mal wieder, warum italien so anziehend ist

und diese geschichten sind es, die eine stadt liebenswert machen. überden smog, das gehupe und gekreische hinaus
buona giornata
Juli 29th, 2009 at 14.29
Ich glaube, die haben getauscht. Früher war der 140er immer so ein Lieferwagen, jetzt ist es ein kleiner roter Elektrobus. Und ich habe mich ehrlich nie getraut einzusteigen, weil ich dachte, das sei ein spezieller Service für Behinderte (zu meinem Leidwesen kann ich mir immer alles irgendwie “erklären”). Der “Bus” war auch fast immer leer, wahrscheinlich, weil viele nicht so recht wussten, was sie davon halten sollten… Danke für die Aufklärung!