Frauen in Italien und das Haus der Frauen in Rom

Die Frauenbewegung in Italien war in den 70er Jahren eine der stärksten Europas. Das lag sicher auch daran, dass es hier eine ganze Menge zu erkämpfen gab. Nach wirklich einschneidenden gesellschaftlichen und gesetzlichen Errungenschaften hat das Interesse für Themen wie Emanzipation, Frauenrechte etc. in den letzten 15 Jahren immer stärker abgenommen und ganz im Gegenteil scheint die Entwicklung den Rückmarsch angetreten zu haben.
Immer häufiger werden Stimmen laut, die Errungenschaften der 70er und 80er Jahre rückgängig machen wollen. Beispiel dafür sind die ständigen Interferenzen des Papstes in das tägliche und politische Leben und das monothematische Motto der Partei “Pro Life” von Giuliano Ferrara, der vehement die Abschaffung des Gesetzes 194 fordert, das die Rechtmäßigkeit von Schwangerschaftsabrüchen regelt.
Durch diese Art Angriffe wird die Position der italienischen Frauen und ihr Recht auf Sebstbestimmung schwer lädiert. Vor ca. 14 Tagen hatte die Polizei in Neapel ein Krankenhaus gestürmt und es gewagt, eine frisch aus dem OP kommende Frau zu verhören, weil ein anonymer Anrufer sie wegen illegaler Abtreibung angezeigt hatte. Dem war natürlich nicht so, denn die Frau hatte sich auf Anraten der Ärzte zur Abtreibung ihres Fötus entschieden, Möglichkeit, die das derzeitige italienische Gesetz bei schwerer Krankheit oder Missbildung bis zum 180. Tag einräumt.
Es gibt allerdings auch Einrichtungen, die nicht nur bestehen geblieben sind, sondern sich dazu auch weiterentwickelt haben. Dazu gehört in Rom die Casa Internazionale delle Donne- das Internationale Haus der Frauen.
casa internazionale delle donne a roma

Außer Beistand und Beratung gibt es dort ein weitgefächertes Kulturprogramm, ein Restaurant, eine Herberge, ein Kongresszentrum, einen Raum für Kunst-Ausstellungen und eine Bibliothek mit Archiv.
Der Mittagstisch im Restaurant funktioniert als Self-Service und ist nicht nur den weiblichen Besuchern vorbehalten. Er soll gut und günstig sein. Ich werde es ausprobieren.
Aber mein Interesse wird nicht nur dem Essen gelten. Angesichts der immer heftiger werdenden Situation wird es nötig werden sich einer Bewegung anzuschließen, um sich gemeinsam gegen die Angriffe aus kirchlicher und politischer Welt zu wehren. Ansonsten sehe ich schwarz für die Frauen Italiens. Und die Casa Internazionale delle Donne scheint mir eine gute Basis zu sein.
Kinder, Küche, Kirche, das war einst Lebensinhalt für den Großteil der italienischen Frauen und für einige ist es immer dabei geblieben. Italien gehört zu den Schlußlichtern Europas, wenn es um weiblich besetzte Führungspositionen geht. Scheinbar gibt es trotzdem immer mehr (Männer!), die das überhaupt nicht stört, ganz im Gegenteil!
Wer sich für die Casa Internazionale delle Donne interessiert oder einfach nur vom Mittagstisch profitieren will, findet sie in der Via della Lungara 19, auf einem Spaziergang zwischen Trastevere und Vatikan. Bis um 20 Uhr ist für alle geöffnet, danach nur noch für weibliche Besucher.

weitere Artikel zum Thema:
Italien: Kinder, Kirche und Küche Porträt einer Karrierefrau mit Kind von Alexandra Barone
Feminismus: Der Mythos von der Mammagefunden im cafèbabel.com

Casa Internazionale delle Donne – Tel 06.68401720
Palazzo del Buon Pastore
via della Lungara, 19 – 00165 Roma

2 Kommentare zu “Frauen in Italien und das Haus der Frauen in Rom”

  1. sigrid Says:

    ciao silke, ein guter artikel!
    wir haben in den letzten jahren geglaubt, es sei alles auf dem weg der besserung. dem ist aber nicht so. die frauen verlieren schritt für schritt und stück für stück die mühsam erkämpften rechte. wenn man sich allein die medien – auch die in deutschland!- anschaut. in zeiten hoher arbeitslosigkeit werden einfach die werteskalen wieder verändert. war es in den 80er jahren selbstverständlich, dass frauen eine ausbildung und chancen auf aufstieg haben sollten, ist es nun angeblich wieder ein heres ziel hausfrau und mutter zu sein. dem mann bei seinem schweren job zu helfen, indem er von zu hause alle unterstützung der “haushaltsmanagerin” erhält. wir frauen müssen uns wieder anhörten, dass wir männern die arbeitsplätze wegnehmen oder unsere arbeit wird belächelt und abgetan als ” dazuverdienen”.
    ich treffe junge mädchen, denen ich handwerkliches geschick vermitteln will, die mir ins gesicht sagen, brauche ich nicht zu lernen, ” ich heirate ja sowieso” und keine andere schreit auf.

    gut, dass du darauf hinweis, was passiert. wir dürfen nicht zu allem schweigen. erzähle, wie es in dem frauenhaus war- vielleicht gehen wir bei meinem nächsten rombesuch gemeinsam hin!

    ciao, sigrid

  2. nina Says:

    hier noch ein link:
    lidia ravera bei spiegel-”einestages”

    gruesse von der hausfrau und mutter aus bremen ;-)

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