Spaghetti Carbonara

Nach anstrengenden Museums und Rugby-Spiel Besuchen bekommt man Hunger. Die Zeit ist reif für das Rezept einer der vielleicht bakanntesten Nudelgerichte Italiens.
Viele erinnern sich wahrscheinlich noch an den Carbonara Song von Spliff aus den 80ern.
Villa Miroglio in RomDas Rezept stammt nicht von mir, sondern von den Vermietern der Villa Miroglio und ich habe es Ihrem Buch Spaghetti im Rohbau entnommen, in dem es ausser ihrer unglaublichen Hausbau Geschichte noch mehr von ihren selbsterprobten Rezepten zum Nachkochen gibt, die niemals einfach “nur” Rezept, sondern immer auch eine Geschichten für sich sind.
Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Rezept für 4 Personen
Spaghetti Carbonara
(Herstellungszeit: 20 Minuten)

Spaghetti im Rohbau400 g Spaghetti (oder “maccheroni alla chitarra” oder “linguine piccole”)
100 g Pancetta
Pancetta ist luftgetrockneter Bauchspeck, also zarter als geräucherter Speck Es gibt ihn in zwei Formen, als Scheibe oder gerollt (”rotolata”). Und ich füge, wenn vorhanden, noch einige Würfel “gambuccio” dazu (Ende eines Parmaschinkens).
4 Eigelb
3 Eiweiß
Olivenöl, extravergine
schwarzer Pfeffer
Prezzemolo (glatte Petersielie)
geriebener Parmesan/Pecorino

Sich wegen einer Carbonara scheiden zu lassen halte ich für untypisch, weil in einer italienischen Familie in Hinsicht auf die Carbonara sowieso immer nur einer von beiden das Sagen hat, meist der Signore, mit dem Hinweis auf die Gepflogenheiten seiner angebeteten Mutter. Gegen sie wird keine kluge Ehefrau ernsthaft die Stimme erheben.
Aber es gab einen Familienzwist zwischen zwei adeligen Familien in Verona, deren Hausfrauen unterschiedliche Ansichten im Hinblick auf die Verwendung von Prezzemolo in der Carbonara vertreten, was einen handfesten Streit erzeugt, dessen Ursprung aber allmählich in Vergessenheit gerät, sich aber über Jahrhunderte kontinuierlich zu einer familiären Verfeindung aufbaut, deren letzte Opfer die zwei Jüngsten sind, die sich über die Familiengrenzen ins Unglück lieben: Das ist wirklich italienisch.

Die Carbonara ist schnell fertig, weil die Carbonari, die Mitglieder einer ehemaligen Geheimloge in Genua, vor lauter Intrigen und Machenschaften keine Zeit zum Mittagessen hatten. Es musste alles hopplahopp gehen. Das sagen die einen. Die anderen sagen: Quatsch, der Name “Carbonara”, also die Pasta der “Kohlenträger”, käme von der Farbe der aus der Mühle darüber gebröselten schwarzen Pfefferstückchen. Daran ist zumindest eines wahr: Das Geschmacksgeheimnis der Carbonara ist Pfeffer. Gäbe es eine geheime militärische Lösung für Carbonara, hieße sie “schwarzer Pfeffer!”.

Also, Beeilung bitte.
Zwei Flammen. Auf der einen Flamme das Wasser für die Spaghetti aufsetzen. Später gut salzen. Auf der anderen Flamme ein wenig später das Pfännchen oder besser: eine größere Pfanne für die Pancetta anheizen.

Käse und Käsereibe in Griffweite platzieren. Prezzemolo mittelfein haxeln.

Eier in ein Gefäß aufschlagen, pro Person ein Ei, minus ein Eiweiß. Für 4 Personen also 4 Eigelb plus 3 der Eiweiße. Das verbleibende Eiweiß kriegt der Hund ins Futter. Zu viel Eiweiß macht die Carbonara schlabberig, zu wenig macht sie trocken. (Sahne, die man in Mailand dazu nimmt, ist hier in Rom streng verboten! Ich selbst finde Sie auch geschmacklich nicht richtig.)
Dann Pancetta und Schinken in nicht zu große Würfel/Scheiben schneiden und in Öl anbraten. Der Trick ist: Die Pfanne muss glühend heiss sein, die Speck- und Schinkenstückchen erhalten so eine “Kruste”, dürfen aber keinesfalls vertrocknen oder gar anbrennen! Also frühzeitig: raus aus der Pfanne!

Dazwischen: Die Eier mit schwarzem Pfeffer und, wenn man will, etwas von dem geriebenen Parmesan/Pecorino hineinreiben und verquirlen.
Pasta abgießen, etwas von dem Nudelwasser aufheben. Pasta in eine gut vorgewärmte feuerfeste Schüssel oder gleich in die Pfanne mit der Pancetta geben. Die Eiermasse untermischen. Jetzt kommt der eigentliche Punkt: Die Eiermasse muss eigentlich von der Hitze der Schüssel und der Nudeln stocken, abe nur ein wenig, sonst wird die Carbonara zu trocken! Sollte die Hitze der Schüssel zum Stocken der Eiermasse nicht reichen, muss man die Schüsssel vorsichtig auf dem Herd erwärmen, bis das Ei zu stocken beginnt. Denn die Carbonara darf nicht “flüssig” sein. Sobald sich die ersten gestockten Eierkrümel zeigen - SCHLUSS mit der zugeführten Wärme und sofort eine Menge Käse untermischen.
Nochmals frischen Pfeffer und Petersilie darüber. Eventuell mit Nudelwasser noch etwas verflüssigen. Und eilig RAUS auf den Tisch!

Ich selbst habe die Carbonara schon zu kalt serviert, zu trocken, zu schlabberig, die Speckstücke zu klein, zu groß, insgesamt zu salzig, zu wenig käsig, zu wenig gepfeffert oder gar zu pfeffrig! Man sollte dieses Gericht nicht unterschätzen.

Uns hat sie sehr gut geschmeckt als wir in der Villa Miroglio zu Besuch waren. Marlene meinte, es wäre die beste Carbonara, die sie jeh gegessen hätte und hat sie zu ihrer Lieblingspasta erklärt.

Ein Kommentar zu “Spaghetti Carbonara”

  1. nina Says:

    ich finde ja, da muss guanciale rein.
    wir haben hier natuerlich mehr probleme, da dran zu kommen, aber immerhin konnte ich meinem lieblings-wurstmann ein bisschen schweinebacke (wenn auch geraeuchert, aber zum koehler passt das ja) abschnacken und das war eine echte offenbarung.
    andere schinken/specks finde ich zu suess.
    bei uns macht die carbonara uebrigens der mann, vielleicht sollte ich ihn mal wieder dazu auffordern.
    ah, und angewaermte teller sind super bei carbonara!

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