Brummis wollen Rom in die Knie zwingen

In Italien ist man an Streiks ja ziemlich gewöhnt. Sie sind Teil des alltäglichen Lebens.
Diesmal geht es aber etwas heftiger als gewöhnlich zu: statt einer Demonstration, die nur das Stadtzentrum von Rom lahmlegt ist ganz Italien blockiert. Die Brummis haben nämlich den gesamten Fernverkehr zum Stillstand gebracht.

Trotz des Streikverbots ab Mitternacht geht die Blockade weiter. Das bedeutet, dass alle Waren, die täglich mit LKWs in Konsumentennähe gekarrt werden nun irgendwo auf der Straße feststecken. Das wiederum hat zur Folge, dass es langsam keine frischen Lebensmittel und kein Benzin mehr gibt.
Das tägliche Verkehrschaos in Rom wurde gestern dadurch verstärkt, dass sich an allen Tankstellen lange Schlangen gebildet hatten nachdem die Knappheit bekannt geworden war.
Inzwischen gibt es Benzin nur noch für so notwendige Einrichtungen wie Polizei, Feuerwehr und Krankentransport. Im Radio höre ich, dass bald auch Busse und Taxen nicht mehr fahren werden. Die Fährverbindungen zu den Inseln wurden halbiert.
Schon gestern gab es im Supermarkt nicht mehr “meine” Milch und ich musste mich mit einer anderen Marke eindecken. Rationiert wird sie bis Freitag reichen. Und dann??? Auch Fisch gab es nicht mehr so reichlich wie sonst und viele Regale waren halb leer.
Wie lange wird diese Kraftprobe zwischen Regierung und Kraftfahrern noch dauern? In diesem Moment sitzen die Herren gerade wieder einmal am Verhandlungstisch.
Die Kraftfahrer haben zwar Ihrer Macht reichlich Ausdruck verliehen, aber gerade deswegen stehen Sie auf ziemlich verlorenem Posten. Die Bevölkerung haben sie jedenfalls gegen sich. Und ob sich eine Regierung in dieser Art erpressen lassen kann, ist die Frage.
Ich finde es ein Unding, dass eine Kategorie Ihre Macht in dieser Art auf Kosten der Bevökerung ausübt. Viele Leute können ohne Auto ihrer Arbeit nicht nachgehen, verderbliche Waren vergammeln in liegengebliebenen LKWs z.B. aus dem Ausland, die Märkte bleiben leer, in verschiedenen Fabriken wird aufgrund von mangelnder Nachschub von Bauteilen oder Rohstoffen Kurzarbeit angemeldet. Den Menschen wird ein Teil ihrer Grundrechte genommen. Sich dieses Recht herauszunehmen ist ein starkes Stück.
Gründe zum Streiken gibt es in Italien viele und das Recht auf Streik ist heilig. Eine Machtposition schamlos auszunützen geht mir allerdings ein wenig zu weit. Die Protestaktion wird so zur reinen Erpressung.

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Netzeitung
Spiegel
derStandard

3 Antworten zu “Brummis wollen Rom in die Knie zwingen”

  1. nina sagt:

    kann ich nicht nachvollziehen, klingt fuer mich wie die argumente gegen den bahnstreik hier in .de.
    wenn man was erreichen will und eine machtposition (naja) innehat, dann waere man ja schoen dumm, das nicht auch einsetzen.
    und das vielbeschworene “die bevoelkerung gegen sich”, ja mei, die mehrheit der bevoelkerung ist doch voellig desinteressiert den problemen ihres naechsten und kann niemals soweit denken, das es sie auch selber betreffen koennte.
    im uebrigen macht so ein streik ja auch mal klar, wie abhaengig man vom lkw-verkehr ist, was angesichts der damit verbundenen umweltproblematiken ja auch ganz interessant ist.

    das willst du jetzt nicht hoeren, aber mein papa meinte ganz entspannt: ach, wenn ich hier kein benzin bekomme, fahre ich eben kurz in die schweiz. der alte streikbrecher.

  2. Silke sagt:

    Du hast teilweise sicher völig recht. Besonders die Tatsache, dass es kaum mehr Solidarietät gibt, jeder nur auf seinen Vorteil bedacht ist und um sein eigenes Wohl besorgt.
    Da machen die LKW -Fahrer aber eben keine Ausnahme. Ihre Situation ist nicht dramatischer als die eines Arbeiters bei Fiat oder - noch krasser - Thyssen-Krupp, die sich für 1.200 € im Monat wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen in lebendige Fackeln verwandelt haben.
    Wenn ganz Italien blockiert wäre, um Gerechtigkeit und Sicherheit für alle Arbeiter zu fordern, hätte ich nichts dagegen einzuwenden.
    Mir selbst geht es nicht um Milch oder Benzin, ich kann mich gut auch mal ohne arrangieren (Das Sich-Arrangieren lernt man ja notgedrungen in Italien ;-) )
    Ich denke an die armen Leutchen, denen durch diesen Streik das sowieso schon knappe Einkommen noch ein wenig mehr reduziert wird.
    Ich hätte es angebrachter gefunden, sie hätten mit den LKWs die Ausgänge des Parlaments blockiert und den Parlamentariern mit dem Aushungern gedroht.
    Da hätten sie sicher auch mehr Zuspruch beim Rest der Bevökerung gefunden. :-)

  3. sigrid sagt:

    warum streiken eure lkw fahrer denn eigentlich? das kommt in deinem beitrag nicht wirklich raus. von daher will ich auch gar keine stellung zum streik nehmen, aber ich bin prinzipiell dafür, dass menschen sich nicht alles gefallen lassen. streik ist ein guter weg, mal den fokus zu ändern und ich persönlich bin richtig froh, dass bei unsi n deutschland endlich mal wieder gestreikt wird, nachdem jahrelag grabesruhe herrschte.

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