Industrie-Archäologie in Rom
Archäologie und Rom, das sind zwei Dinge, die einfach zusammengehören. Überreste aus der Antike, die an jeder Ecke sichtbar sind, gehören zu den einzigartigen Sehenswürdigkeiten dieser Stadt.
Weniger Touristen findet man auf den Pfaden der Industrie-Archäologie. Die Überreste, die von Produktion, Arbeit und damit Lebensweise um die Jahrhundertwende zeugen, haben meist seit langer Zeit ausgedient und sind leider in den meisten Fällen dem langsamen Ruin überlassen. Es gibt allerdings auch Fälle, in denen Restaurierung und Umwandlung den Gemäuern einen neuen Sinn gegeben hat.
Ein schönes Beispiel ist die Centrale Montemartini auf der Via Ostiense, das erste Wärmekraftwerk Roms. 1997 wurde es in ein Museum verwandelt, in dem mehr als 400 Statuen aus den Kapitolinischen Museen ausgestellt sind. Via Ostiense 190, Dienstag bis Sonntag von 9.30 bis 19 Uhr, Eintritt € 4,50.
Foto von der Museums-Website
Auch der Ex-Mattatoio, der ehemalige Schalchthof Roms im Viertel Testaccio ist sehenswert. Ein Teil wurde vor ca. 15 Jahren besetzt und in Villaggio Globale umbenannt. Hier werden besonders in den Sommermonaten Festivals und Konzerte veranstaltet. Ein weiterer Teil wird von der Comune di Roma für Ausstellungen und Handwerks- und Bio-Märkte benutzt, ist allerdings nicht immer geöffnet. Das weitläufige Gelände bietet offiziell auch den Pferden der römischen Kutscher und etwas weniger offiziell Zigeuner-Wohnwagen Unterstand.

Foto von der Website der Comune di Roma zu diesem Thema
Ein weniger schönes Beispiel ist die Pantanella, Industriekomplex, der 1929 erbaut und in den 70er Jahren verlassen wurde. In den Zeitungs-Chroniken lebte die Pantanella 1990 noch einmal schmerzlich auf, weil Sie Notbehausung für Tausende von Einwanderern wurde, deren prekärer Unterschlupf mit Gewalt von der Polizei geräumt wurde. Die Restaurierung ist hier leider der Spekulation zum Opfer gefallen und der gigantische Komplex beherbergt heute Supermärkte, Luxus-Appartements und eine Bingo-Halle.
In der Nähe der Piazza Vittorio bietet die Ex-Centale del Latte, die ehemalige Milchzentrale Platz für den wohl größten und vielfältigsten Markt Roms, der mit seinem bunten Treiben und den außergewöhnlichen Angeboten mehr einem arabischen Bazar ähnelt.
Ein weiteres Relikt aus vergangenen Tagen ist der Gazometro, der von der Silhouette Roms nicht wegzudenken ist.

Foto von der Website von MUSIS : Museo Multipololare dell’Informazione Scientifica e Tecnologica

20. Januar 2006 um 15:25
italien scheint das mekka der industrie archäologie zu sein.
in einem italienischen film habe ich diesen begriff zum ersten mal gehoert und wenn man so im netz sucht, dann ist italien auch sehr weit vorne (beinahe einsam an der spitze).
zb Archeologia Industriale nell’alto Lazio und hier noch mal rom.
schick.
31. Mai 2007 um 15:04
[…] In einer ganz anderen Welt befindet man sich, wenn man sich in die Markthalle des Mercato di Piazza Vittorio wagt. Der Markt, der früher direkt auf der Piazza stattfand, wurde vor einigen Jahren in das restaurierte Gebäude der ehemaligen Milchzentrale verlegt. Die heutige Markthalle ist ein sehr schönes Beispiel römischer Industrie-Architektur. Allerdings könnte man meinen, sich hier nicht in einer europäischen, sondern orientalischen oder arabischen Großstadt zu befinden. Am Anfang gehörten die Menschen aus den fernen Ländern nur zu den Käufern, inzwischen sind sie auch auf die andere Seite des Verkaufsstands gewechselt und das Verkaufsangebot hat sich der Nachfrage angeglichen, neben den üblichen Zucchini gibt es Gemüse und Früchte, die in der italienischen Küche völlig unbekannt sind. Wer exotische Küche liebt, hat in diesem Bazar keine Probleme alle Zutaten auch frisch zu bekommen. […]